Eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden. (Joh. 16,20)

An einem bitterkalten Tag drängten sich ein Rabbi und seine Schüler um ein Feuer. Einer der Schüler sagte:

„Ich weiß genau, was an einem eiskalten Tag wie heute zu tun ist.“

„Was?“, fragten die anderen.

„Warm halten. Und wenn das nicht möglich ist, weiß ich immer noch, was zu tun ist.“

„Was?“ „Frieren.“

Das Warmhalten geschieht gerade hundertausendfach in Europa. Der Krieg in der Ukraine hat die Menschen zusammenrücken lassen. Die Hilfsbereitschaft angesichts der Kriegsbilder und der flüchtenden Menschen ist riesig. Es ist kalt geworden in unseren Tagen.

Aber auch das Frieren ist eine Option. Bei den Menschen auf der Flucht ohnehin und bei uns, wenn der Gashahn zugedreht werden sollte.

Ein Krieg mitten in Europa, ein vom Zaun gebrochener Angriffskrieg zumal, lässt uns fröstelnd, ohn- mächtig, wütend und traurig zurück.

Traurigkeit ist wie ein eisiger Wind, der alles Lebendige erstarren lässt.

Krieg macht traurig, Krankheit auch oder Abschiede von liebgewordenen Vorstellungen und noch schlimmer: von Menschen. Ich werde traurig, wenn ich feststellen muss, dass etwas, was ich für wesentlich in meinem Leben hielt, nicht mehr da ist und ich weitermachen soll oder muss.

Wie kannst Du mit Deiner Traurigkeit umgehen? Du kann vor ihr weglaufen, Dich mit Aktivitäten ablenken, oder sie als Wirklichkeit Deines Lebens sehen, verstehen und ruhig bleiben. Weglaufen bringt nichts! Das ist so, als liefe man den eigenen Füßen davon. Sich von der eigenen Traurigkeit wegtragen zu lassen ist auch nicht hilfreich. Es ist so als küsse man die eigenen Lippen.

Jesus sagt es seinen Jüngern und damit auch Dir und mir voraus: „Ihr werdet weinen und klagen…“ (Joh. 16,20). Das gehört zum Leben dazu. So bereitet er seine Jünger auf den Abschied von ihm und ihre Traurigkeit über seinen Tod vor. Aber – und das sagt Jesus auch – die Traurigkeit bleibt nicht, sie wird in Freude verwandelt werden.

Ich glaube der schlimmste Tag für die Jünger war der Karsamstag! Am Karfreitag waren sie noch geschockt vom Erlebten. Erst am Karsamstag werden sie realisiert haben, was da geschehen ist: Ihr Herr und Meister war hingerichtet worden. Am Karsamstag herrschte tiefe Traurigkeit und Resignation. Wir lesen in der Bibel nichts darüber, was die Jünger da machten.

Anders als wir wussten sie nicht, dass die Trauer bald ein Ende haben würde, schon einen Tag später! Ist das nicht auch das, was die eigene Traurigkeit unerträglich macht: Ich weiß nicht, ob und wann und wie sie beendet sein wird. Die Sache mit Jesu Tod war eine 3-Tage-Geschichte. Aber am zweiten Tag weiß man das eben nicht! Wenn Du gerade traurig bist, lebst Du am zweiten Tag, dann ist für Dich gerade Karsamstag.

Wenn Du gerade Traurigkeit spürst, vertraue darauf, dass auch für Dich der dritte Tag kommt und Dein „Karsamstag“ ein Ende haben wird.

Ich frage mich: Wozu ist Traurigkeit eigentlich gut? Warum gibt es solche Karsamstagzeiten im Leben, in denen man traurig und niedergeschlagen ist?

Ich glaube diese Zeiten sind nicht angenehm, aber wichtig für uns. Es sind Zeiten voller innerer Aktivitäten. In Zeiten der Traurigkeit, in den Karsamstagzeiten Deines Lebens geschieht immens viel. Ich muss mich zB. auf das besinnen, was mir wirklich Halt gibt. Als Jesus im Grab war, geschah auch nicht einfach nur nichts.

Am Karsamstag herrschte eine große Stille und ein großes Schweigen, weil der König schlief. Aber er schlief nicht wirklich! Er fuhr hinab in das Reich des Todes und die Hölle erzitterte vor Furcht (1. Petrus 3,18- 22).

Wenn Du in Deiner Traurigkeit den Eindruck hast: Der König schläft, Gott kümmere sich nicht um Dich, täusche Dich nicht. Er wirkt, er ist da für Dich, und er wird wieder „aufwachen“, wie Jesus am dritten Tage von den Toten auferstanden ist. Das gilt für die Traurigkeit im persönlichen Leben wie im großen politischen Kontext.

Das Ostergeschehen ist für mich die große Hoffnung meines Lebens: Auch meine Traurigkeit wird verwandelt werden. Sie wird in Freude verwandelt werden, weil Gott selbst alle Tränen abwischen wird (Off. 21,4).

Das ist die Botschaft, die das Osterfest für Dich hat: Der König schläft eben nicht, auch wenn Du das so erlebst. Gott hat sich nicht verabschiedet. Nicht aus Deinem Leben. Nicht aus dieser Welt. Nicht aus dem Ukrainekrieg und nicht aus den anderen Krisen dieser Erde.

Mache Dich fest in diesem Geschehen, lass es für Dein Leben gelten und vertraue darauf, dass Jesu Tod und Auferstehung für Dich ganz persönlich bedeutet: Deine Traurigkeit wird in Freude verwandelt werden!

Und erlebe Ostern in diesem Jahr als ganz besonderes Fest der Auferstehung, der Hoffnung und Jesu Sieges über den Tod und alle Mächte des Todes.

In österlicher Freude und Hoffnung

Ihr Pastor Andreas Müller

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